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Buchrezension – Jessica Fellowes: Die Schwestern von Mitford Manor

Buchrezension – Jessica Fellowes: Die Schwestern von Mitford Manor

*Werbung – Euch ist der Lesestoff ausgegangen? Dann habe ich für euch den neuen historischen Roman „Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht” von Jessica Fellowes aus dem Pendo Verlag gelesen.


Die Schwestern von Mitford Manor: Der Klappentext

London, 1920: Für die 19-jährige Louisa geht ein Traum in Erfüllung. Sie bekommt eine Anstellung bei den Mitfords, der glamourösen und skandalumwitterten Familie aus Oxfordshire. Endlich kann sie der Armut und dem Elend der Großstadt entfliehen und dafür auf ein herrschaftliches Anwesen ziehen. Louisa wird Anstandsdame und Vertraute der sechs Töchter des Hauses, allen voran der 17-jährigen Nancy, einer intelligenten jungen Frau, die nichts mehr liebt als Abenteuer und gute Geschichten.

Als Florence Nightingale Shore, eine Krankenschwester und Freundin der Familie, am helllichten Tag ermordet wird, beginnen Nancy und Louisa eigene Ermittlungen anzustellen. Schnell erkennen sie, dass nach den Wirren des Krieges jeder etwas zu verbergen hat.

 

 

Zum historischen Hintergrund

Der erste Band rund um die Mitford-Schwestern “Die Schwestern von Mitford Manor – unter Verdacht” basiert auf einem tatsächlich historischen Hintergrund. Vielleicht hat der eine oder andere von euch schon einmal von dem Mitford-Schwestern gehört. Die englische Familie der Upper-Class rund um Baron Redesdale und seine Gattin war nicht nur angesehen, sondern auch von Skandalen umgeben und machten durch ihre exzentrische Lebensweise vor allem in den 30er Jahren immer wieder von sich reden. Die Schwestern kannten Hitler, Churchill oder John F. Kennedy und bieten damit mehr als nur einen biografischen Hintergrund, um über sie in einem Roman zu schreiben.

Zwei der Schwestern, Diana und Unity Mitford, waren zum Beispiel war Hitler verfallen und man würde sie heute schlichtweg als Groupie bezeichnen – Unity (1914-1948) wurde dabei tatsächlich zu einer Freundin Hitlers, die seiner Vorstellung des arischen Typs entsprach. Diana (1910-2003) heiratete sogar Oswald Mosley, den faschistischen Anführer der englischen Blackshirts. Jessica (1917-1996) dagegen wanderte schon früh in die USA aus und schloss sich der kommunistischen Partei an.

Mitford Manor selbst ist dabei ein Herrenhaus in der Grafschaft Oxfordshire, das heute als Ruine unter Denkmalschutz steht. Übrigens: Vor vier Jahren starb die letzte der Mitford-Schwestern, Deborah, im Alter von 94 Jahren.

 

Die Schwestern von Mitford Manor: Roman mit kriminalistischen Zügen

Im Band 1 der Mitford-Sage geht es um die älteste Mitford-Schwester, nämlich Nancy, die zwischen 1904 und 1973 lebte, und um einem wahren Mordfall.

Nancy war zeitlebens nicht nur entschiedene Hitler-Gegnerin, sondern wurde eine berühmte Schriftstellerinnen der englischen Nachkriegsliteratur. Der Roman spielt allerdings in der Jugendzeit Nancys, als sie noch zu Hause lebt und der Haushalt durch die junge Anstandsdame Louisa Zuwachs bekommt, mit der sie sich schnell anfreundet. Weil die im Zug ermorderte Florence Nightingale Shore eine Bekannte der Familie ist, möchte Nancy auf eigene Faust Nachforschungen anstellen – und Louisa bleibt nichts anderes übrig, als Nancy dabei zu unterstützen.

Im Roman dominieren mehrere Handlungsstränge nebeneinander. Da ist zum einen der Handlungsstrang rund um die liebevoll beschriebene Louisa, die auf der Flucht vor ihren Vater in der Mitford-Familie landet. Daneben spielt ein anderer Erzählstrang rund um den Bahnpolizisten Guy Sullivan, der zusammen mit der Polizei am Mord von Florence Nightingale Shore ermittelt.

Die Idee zur Erzählung hatte Autorin Jessica Fellows übrigens, als sie beim Lesen eines Artikels rund um den Mordfall feststellte, dass die Ermordete auf dem Weg in die Stadt war, in der die Zwillingsschwester des echten Kindermädchens der Mitfords lebte. Diese Übereinstimmung nutzte sie und erschuf mit Louisa die Hauptfigur.

 

 

Meine Meinung

Für mich war der Roman eine schöne Leseunterhaltung, weil der Roman Fiktion und Wirklichkeit auf eine interessante Weise miteinander vermischt. Die Autorin Jessica Fellows, die bereits einige Begleitbücher zur erfolgreichen Serie “Downton Abbey” geschrieben hat, schafft es, den Leser in die Zeit rund um die 20er Jahre zu holen, indem sie sich einer sehr bildreichen Sprache bedient. Das gefällt mir sehr gut, da sich unmittelbar ein Bild in der Vorstellung formt.

Auch die Protagonisten rund um Louise, Nancy und Guy beschreibt sie liebevoll und sehr detailreich – für mich persönlich vielleicht ein wenig zu ausschweifend, sodass nicht immer klar ist, ob die Familiengeschichte oder der Mordfall im Vordergrund stehen. Denn die eigentliche Mordgeschichte wird zwar immer wieder thematisiert, aber die Entwicklung im Mordfall verläuft recht langsam und nimmt erst am Ende des Romans Fahrt auf. Insofern führen den Leser sowohl Titel der Erzählung als auch Klappentext ein wenig in die Irre. Denn hier steht vor allem der Mordfall im Fokus.

Jessica Fellows sagt über ihre Protagonistin Louisa, dass sie bewusst einen Charakter erschaffen wollte, mit dem sie viel Zeit verbringen kann. Und so wird uns auch in den nächsten Bänden der Saga das Kindermädchen weiter begleiten. Ich bin gespannt, was Louisa sonst noch erleben wird!

 

Fazit

“Die Schwestern von Mitford Manor” ist ein historischer Roman, der detailliert Fiktion und Realität miteinander verwebt und Einblicke in das Leben rund um die Familie Mitford gewährt – und dazu noch ein Mordfall. Ein ideales Buch für Leser, die Lust an historischen Romanen mit dem gewissen Biss haben und es sich zum Schmökern gerne mit einer Tasse Tee und Kuscheldecke gemütlich machen.


Die Schwestern von Mitford Manor – unter Verdacht
Autorin: Jessica Fellowes
Pendo Verlag
496 Seiten
16,99 €

Leseprobe


*Herzlichen Dank an den Pendo-Verlag, der mir einige Bücher als Vorabexemplar sowie zur Weiterverarbeitung zur Verfügung gestellt hat.

 

 


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