ein Travel und Foodblog rund um Großbritannien

Schrullig und charmant: Ein Besuch im Dresdner Tearoom „England, England“

Schrullig und charmant: Ein Besuch im Dresdner Tearoom „England, England“

Seid ihr schon einmal in Dresden gewesen? Ich zumindest hatte es seit der Wende noch nie geschafft. Nun war es aber endlich mal an der Zeit und wir haben uns als Familie ein Wochenende dort gegönnt. Vorher hatte ich mich ein wenig im Web umgesehen, ob es etwas Interessantes zum Thema „England“ in Dresden geben würde. Und siehe da: Ich wurde tatsächlich fündig. Im jungen Szeneviertel Neustadt existiert ein Tearoom mit dem verheißungsvollen Namen „England, England“.

Neustadt: Alternatives Szeneviertel in Dresden

Ich hatte in der Vergangenheit für einen Kunden über die Neustadt in Dresden recherchiert und hatte im Kopf, dass es sich um ein alternatives Szeneviertel östlich der Elbe handelt, in dem viele junge Familie leben, es unendlich viele Bars und Kneipen gibt – und noch mehr junge Modelabel. Und genau dort sollte sich auch der Tearoom befinden. Genial, dachte ich, und so konnten wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

 

Graffiti-Kultur in der Neustadt in Dresden.

 

Wenn man aus einer Kleinstadt wie ich kommt, ist die Neustadt ganz schön schräg.  Riesige Graffiti prangen an den Hauswänden, die zum Teil echt runtergekommen aussehen. Alternativ, aber irgendwie hip. Und das wissen leider auch die vielen Einwohner der Neustadt. Denn das Viertel entwickelt sich immer mehr zum Szeneviertel mit allen Vor- und Nachteilen und so zieht es viele Einheimische immer mehr ins benachbarte Hechtviertel. Toll an der Neustadt: Hier trifft man auf unendlich viele Läden, die junge Modelabel, schönes Geschirr oder Accessoires oder Upcycling-Artikel verkaufen. Hier scheint es nichts zu geben, was es nicht geben kann – und man kann verstehen, dass es die Bewohner der Neustadt nur sehr selten in die touristisch geprägte Innenstadt zieht. Tipp: Mit der S-Bahn kommt man super hierher und es kostet dazu nicht viel. Familien können sich beispielsweise ein Tagesticket für unglaubliche 10 Euro kaufen. Und wer eine Bleibe sucht: In der Neustadt gibt es einige Backpacker-Angebote, die man versuchen könnte.

 

England, England - britischer Shop
Mit Liebe zum Detail: Das Café England, England

 

Schrullig und für England-Liebhaber: Der Tearoom „England, England“

Wer zur Mittagszeit in die Neustadt kommt, wird Bars und Cafés in Hülle und Fülle finden. Hungern muss man hier nicht. Und so fiel es uns auch etwas schwer, nicht in einer der Burgerbars oder indischen Lokale abzusteigen. Aber wir wollten ja zum Tearoom „England, England“. In der Martin-Luther Straße befindet sich das kleine Café, das schon von außen auf sich aufmerksam macht. Denn nur reinschauen gilt nicht: Reinkommen wäre besser, so sagt zumindest das Board an der Hauswand. Und obwohl die Außenbank extrem einladend aussah, sind wir aber trotzdem erst einmal in den Laden. Wir waren ja neugierig.

neustadt dresdenDrinnen angekommen, hat man das Gefühl, als ob man sich in einem privaten Wohnzimmer befinden würde. Schrullig, schöne Sofas und Sessel stehen überall und laden zum Sitzen ein. In einer Ecke des Cafés sitzt ein Mann, so wie man es sich hier wohl vorstellen würde: Mit einer Tasse Tee in der einen und einem Buch in der anderen Hand. Hier scheint die Zeit stillzustehen. Der britische Laden ist eine Mischung aus Shop, Buchladen und Café. Neben Tee, Müsli, Spiced Apple Chutneys“, Kinderbüchern und Postkarten gibt es hier allerhand zu stöbern. An den Wänden hängen viele Portraits der königlichen Familie, im Bücherregal gibt es eine Auswahl an englischer Literatur und überall findet man niedliche Kleinigkeiten. Und natürlich dürfen die typisch britischen Tapeten im Laura Ashley-Stil an der Wand nicht fehlen.

Überall an den Tischen hört man fast ausschließlich englische Sprache. Es scheint tatsächlich ein Treffpunkt für englischsprachige Bewohner, Studenten oder Touristen zu sein – wobei sie nicht alle aus Großbritannien kommen, wie man unschwer an der Aussprache erkennen kann. Irritierend: Plötzlich kommen mindestens 20 Personen auf einmal in das kleine Café, lassen sich in den schönen Sesseln fotografieren und verschwinden wieder. Bizarr. Die Besitzerin ist zwar nicht da, aber eine der Servicekräfte erzählt, dass die Eigentümerin lange in England lebte und eine tiefe Verbundenheit zum Land habe.

 

Die Speisekarte im „England, England“

Hausgemachte Kuchen, Sandwiches mit Chips, Afternoon Tea mit Scones: Im England, England bekommt man all die typischen Speisen, die man auf einer englischen Café-Karte erwarten würde. Die genaue Speisekarte gibt es übrigens auf der Webseite. Neben Limonaden und Eistee entscheiden wir uns für Sandwiches mit Ham und Cheddar und Erben- und Zucchini-Suppe. Ein wenig Zeit muss man im „England, England“ allerdings mitbringen. Denn es dauert eine Weile, bis Getränke und Essen auf dem Tisch stehen. Aber vermutlich ist genau das das Konzept des Geschäfts. Hierher kommt man eher nicht, wenn man auf der Suche nach einem schnellen Essen ist, sondern man bringt eben viel Zeit mit, um mit Freunden zu quatschen, in seinem Buch zu lesen und von England (also dem echten) zu träumen.

 

Tearoom England in Dresden
Der Americano (Starbucks-Fans wissen das) ist ein mit heißem Wasser aufgeschütteter Espresso und kommt unserem Filterkaffee am nächsten.

 

Eine Postkarte zum Abschied

Bevor wir weiterziehen, entdecke ich noch diese wundervolle kleine Postkarte. Sie zeigt eine Zeichnung des tatsächlichen Shops und das finde ich mal richtig gelungenes Marketing. Und wer mit solcher Liebe solche kleinen Details entwickelt, dessen ganzes Herzblut steckt in diesem Geschäft, oder?

Vielleicht noch ein Wort zu meinem Gesamteindruck: Für mich ist das „England, England“ ein liebevoll geführtes Café mit der einen oder anderen Möglichkeit des Einkaufs. Die original britischen Möbel laden zum Platz nehmen ein und hier kann man es sich wirklich gutgehen lassen. Allerdings, und das sollte man auch an dieser Stelle betonen, gibt es hier auch Dinge, die es in einem englischen Café so weniger geben würde. Dazu zählen die Bilder der königlichen Familie oder Souvenirs wie das der mit Solar angetriebenen britischen Queen. Insofern ist das Café auch ein Zeugnis dessen, wie wir England als Deutsche sehen. In Wirklichkeit kommt das tatsächliche England aber doch an vielen Orten deutlich moderner daher. Insofern ist das „England, England“ nicht nur die Reise in ein anderes Land, sondern auch in eine andere Zeit. Gemütlich ist es auf jeden Fall.

 

Tearoom England, England in Dresden
Diese niedliche Postkarte gibt es im Tearoom direkt zu kaufen. Fand ich sehr schön!

 

Informationen

England, England, Martin-Luther-Strasse 25, 01099 Dresden
Dienstag bis Freitag: 12pm – 7pm / Samstag und Sonntag: 10pm – 7pm
Montags: Ruhetag

http://www.englandengland.de

 


Welche Orte in Deutschland kennt Ihr, wo sich Briten mit einem eigenen Ladenkonzept selbständig gemacht haben? Erzählt mir doch davon! 

In diesem Sinne: Passt aufeinander auf und bleibt gesund.

Eure Simone



9 thoughts on “Schrullig und charmant: Ein Besuch im Dresdner Tearoom „England, England“”

  • Ich war zwar noch nicht in Dresden. Aber es klingt sehr spannend.
    Wenn ich Dresden besuchen sollte, werde ich jetzt auf alle Fälle das England,England ansteuern, es klingt einfach reizvoll

  • Ich wohne in Dresden und war schon häufig im England England. Und liebe es! Bis vor kurzem hatten wir auch einen englischen Süßigkeitenladen in der Neustadt. Leider hat er geschlossen, aber es war toll, immer Cadbury etc kaufen zu können.

  • In Dresden war ich leider noch nicht, obwohl ich immer sehr viel gutes höre!
    Falls ich mal nach Dresden komme, werde ich mir auf jeden Fall deinen Tipp merken! 🙂
    Liebe Grüße Sarah <3

  • Ich war noch nie in Dresden, würde aber total gerne hin! Meine beste Freundin kommt aus Dresden und hat mir schon viel Tolles über diese wunderschöne Stadt erzählt 🙂

    Liebe Grüße
    Elina

  • Liebe Simone,

    das ist ja eine tolle Adresse! Wow! Genau meines – ich bin ein England Fan und finde diesen Stil einfach cool und hipp :-)! Wenn ich einmal nach Dresden komme, muss ich dort unbedingt vorbeischauen – danke für diesen Insidertipp!

    Sonnige Grüße
    Verena

  • Hallo Simone,
    ich fahre wahrscheinlich im September nach Dresden. Wenn ich Zeit finde, dann muss ich auch den Tea-Room aufsuchen. Du bist die erste, die davon schreibt!Und wenn ich ehrlich bin darf es natuerlich nicht immer Teuerste sein. Da war ich naemich im Dezember. 🙂
    Liebe Grüße,
    Alex.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.