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Mit dem Fahrrad von Land’s End nach John o’Groats – ein Reisebericht (Teil1)

Mit dem Fahrrad von Land’s End nach John o’Groats  – ein Reisebericht (Teil1)

Der kürzeste Weg von Land’s End in Cornwall nach John o’Groats im Nordenosten Schottlands misst ungefähr 1.350 Kilometer. Ein Muss und eine der populärsten Route  für ambitionierte Radfahrer. Mein Kollege Christian hat sich der Herausforderung gestellt und nimmt uns mit auf eine schier unendliche Reise.


„We were to walk the whole of the distance between the north-eastern extremity of Scotland and the south-western extremity of England[…].“ (Robert and John Naylor, From John o’Groats to Land’s End, Caxton Publishing Company, London, 1906)

 

Land’s End to John o’Groats – Wie groß ist Großbritannien?

Die Brüder Naylor, Robert und John beschlossen 1871, das britische Festland seiner Länge nach zu wandern – ohne Transportmittel, einfach zu Fuß. Ein faszinierendes Unterfangen, das sie detailliert niederschreiben und 1906 als Buch veröffentlichten.* Ob es nun die tatsächlich erste Reise „End-to-End“ war, ist nicht überliefert. Jedenfalls ist es die erste dokumentierte und somit der Startschuss für einen Hype, der bis heute anhält.

Land’s End to John o’Groats (LEJoG) ist eine der populärsten Routen in Großbritannien. Sie beschreibt die Strecke zwischen dem südwestlichsten und nordöstlichsten Punkt des britischen Festlands. Tausende Reisende stellen sich Jahr für Jahr der Herausforderung, Großbritannien der Länge nach zu überwinden – in allen vorstellbaren Fortbewegungsmitteln, mit skurrilen Rekorden und typisch britischem Humor.

 

Landmarke Landsend
Land’s End to John o’Groats: Offiziell trennen die beiden Orte 1406,57 Kilometer.

Der kürzeste Weg von Land’s End nach John o’Groats misst ungefähr 1.350 Kilometer. Das schließt alle Verkehrswege ein – Autobahn sowie A- und B-Straßen. Nicht sehr attraktiv, aber eben schnell und direkt. Doch gerade darin liegt der Reiz von LEJoG eben NICHT. Es gibt keine klar vorgegebene Route, wie es teilweise auf Pilgerpfaden der Fall ist. LEJoG lässt euch die absolute Freiheit, selbst zu entscheiden, welche Route ihr wählt. End-to-End entwickelt sich ab dem ersten Reisetag zu einem Gefühl, das sich für jeden „End-to-Ender“ anders definiert.

 

 

Warum ich unbedingt LEJoG fahren musste

Mein End-to-End startete 2013. Ich studierte Anglistik und musste dringend mal raus. Radfahren hatte ich erst ein paar Monate zuvor für mich entdeckt. Ein paar Tagestrips lagen hinter mir, aber dass ich auf dem Drahtesel mal Urlaub machen würde, kam mir nicht wirklich in den Sinn. Durch das Studium und meine Schwäche für so ziemlich alles, was mit Großbritannien zu tun hat, war das Urlaubsziel für den Sommer klar. Großbritannien it is – nur, wohin und wo lang?

Man muss nicht allzu lange googlen, um unter „Radtouren Großbritannien“ auf LEJoG zu stoßen. Auch die kolportierten 1.400 bis 1.600 Rad-Kilometer machten mir zunächst keine große Angst. Wenn ich schon komplett unerfahren beim Thema Radreisen bin, so war ich zumindest gesund und halbwegs fit. Warum also nicht einfach mal durch ganz Großbritannien mit dem Rad fahren?

 

Eine detaillierte Route meiner Land’s End to John o’Groats Fahrradtour findet ihr hier

 

Land’s End to John o’Groats – die Routenplanung

Die Planung meines LEJoG fand hauptsächlich auf Google Maps, Bikemap und in Word statt. Minutiös habe ich jede einzelne Straße aufgeschrieben. Die Route sollte möglichst flach und kurz sein. Ich war ungeübt und unerfahren und wollte es mir „so leicht wie möglich“ machen. Schließlich war auch Urlaub. Natürlich wusste ich, dass ich hier und da mal falsch abbiegen werde.

 

Aber: Navi hab ich nicht. Smartphone hab ich nicht. GPS-Radcomputer kauf ich nicht. Alles wurde fein säuberlich ausgedruckt: Routenbeschreibung sowie eine schwarz-weiß ausgedruckte Karte mit meiner festgelegten Route. Das musste reichen.

 

Land’s End to John o’Groats – Übernachtungen und Unterkünfte

Couchsurfing war 2013 noch ein großes Ding. Zum einen wollte ich die Menschen vor Ort kennenlernen. Zum anderen brauchte ich auch einfach einen Platz zum Pennen und wollte natürlich Geld sparen (da braucht man sich nichts vormachen). Couchsurfing war ideal: Ratzfatz hatte ich für all meine geplanten Zwischenstopps in England die passenden Hosts gefunden. Schottland war da schon etwas dünner gesät, zumal ich dort kaum größere Städte ansteuern wollte. Und so blieb nur der Ritt ins Ungewisse. Kein Couchsurfing in Schottland. Unterkünfte buchen wollte ich nicht, da ich nicht wusste, ob ich meinen Zeitplanen einhalten werde. Mein Plan: Spontan, dort wo ich gerade bin, ein B&B aufsuchen und auf ein freies Zimmer hoffen.

 

Land’s End to John o’Groats – die Anreise

Bevor ich mich ins Auto setzte und nach Calais zur Fähre donnerte, buchte ich mir die erste Unterkunft in Penzance, ca. 16 Kilometer vor Land’s End. Mitten in der Nacht ging es dann los. Rad und Gepäck waren schnell verstaut. Die neunstündige Fahrt bis Calais war lang. Das Auto blieb auf dem Langzeitparkplatz am Terminal stehen. Danach ging es mit der Fähre nach Dover. Ich sprang in den nächstbesten Zug nach London Kings Cross. Die Fernzüge nach Cornwall fuhren nur Paddington Station an. So musste ich mich noch in den Londoner Stadtverkehr wagen, was mir mehr Kopfzerbrechen bereitete als die bevorstehende Reise. Es ging, aber angenehm ist anders. Penzance erreichte ich am frühen Abend samt traumhaften Sonnenuntergang und ein paar kleinen Schauern. Etwas mulmig wurde mir schon, ob der Tage, die da kommen sollten. Am nächsten Morgen genehmigte ich mir mein erstes Full English Breakfast und radelte bis zum Startpunkt: Land’s End.

 

Land's End to John o'Groats
Mit dem Rad nach Großbritannien: Auto bepacken, auf dem Langzeitparkplatz abstellen und ab auf die Fähre.

 

Von Cornwall bis Bath

Aller Anfang ist schwer: Und so stellt mir Cornwall gleich hohe Hürden (Hügel) in den Weg. Von Land’s End geht es am ersten Tag bis nach Bodmin. Dank des leichten Nieselregens und den schmalen und beidseitig dicht bewachsenen Landstraßen, fühlt es sich auf dem Rad an wie in einem Gewächshaus.

 

Die gesamte Zeit geht es auf und ab – Cornwall kann da sehr unbarmherzig sein. Kleine Siedlungen mit teils nicht mehr als drei der typisch kornischen granitgrauen Häuser lassen Idylle aufkommen, aus der ich – schwupps – schon wieder heraus radle.

 

Die nächsten Stationen heißen Exeter und Bath. Die zwei absoluten Highlights: Das mystische und raue Dartmoor, das besonders schön in Sherlock Holmes’ Abenteuer The Hound of the Baskervilles beschrieben wird. So wie der fantastische Rückenwind und die flachen Ebenen von Somerset auf dem Weg nach Bath. Eine wohltuende Abwechslung nach hilly Cornwall.

 

Cornwall
Land’s End: Der südwestlichste Punkt des britischen Festlands.

 

Von Bath bis Cheshire

Nach Bath zeigt sich Südwestengland wieder stärker von seiner hügeligen oder zumindest welligen Seite. Es geht in die Cotswolds, die größte Area of Outstanding Natural Beauty im gesamten UK. Sattgrüne Hügelketten, in Trockensteinmauern eingehegte Weideflächen und liebliche, fast schon romantische Täler säumen den Weg. Über Gloucester geht es bis Worcester und Crewe. Die Straßen werden allmählich flacher. In der Ferne, kurz vor Worcester, türmen sich im Westen die Malvern Hills auf. Immer wieder kreuze ich den River Severn, der mich treu bis in das kleine Industrie-Städtchen Ironbridge begleitet. Danach reihen sich Market Towns, historische Marktstädte wie Market Drayton, aneinander. Die Fachwerkarchitektur und schmalen Einkaufsstraßen sind etwas fürs Auge und den hungrigen Magen.

 

Malvern Hills
So schön radelt es sich durch Shropshire: Sonnenschein, Wiesen und Felder und im Hintergrund die Shropshire Hills.

 

Lancashire

Nördlich von Crewe gilt es die Metropolitan Areas von Liverpool und Manchester zu überwinden. Warrington liegt genau zwischen den beiden Industriestädten und entpuppt sich als unkompliziertes Tor zum englischen Norden. Fast spürbar verändert sich Englands Landschaft ab hier: Bis Blackburn war es gewohnt wechselhaft – mal hügelig, mal eben und die East Lancashire Hills als absolute Krönung. Waren diese überwunden zeigte sich Lancashire wesentlich seichter und flacher. Nach einer Nacht in Garstang steuere ich zügig und entspannt am Forest of Bowland vorbei in Richtung Lancaster. Landwirtschaftliche Regionen und lebendige Industriestädte weichen mehr und mehr einem kargen und dünn besiedelten Land. Ich habe es bis Cumbria und zum Lake District geschafft.

 

Ob sich der Lake District wirklich lohnt und wie sich Schottland von England unterscheidet erfahrt ihr in TEIL 2 meines LEJoG Reiseberichts.

Euer Christian


 

Christian Wagner schreibt mit mir seit einigen Monaten auf dem “Tea and Scones”-Blog mit – seine Schwerpunkte: Alles rund um die Reiseplanung für euren Großbritannien-Trip. Wenn ihr wissen wollt, was euch Organisatorisches in UK erwartet, dann  solltet ihr einmal hier stöbern. 

 


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