Benimmregeln für die Großbritannien-Reise: So fällst du auf keinen Fall auf!

Benimmregeln für die Großbritannien-Reise: So fällst du auf keinen Fall auf!

Die „feine englische Art“… Das läuft einem immer wieder über den Weg, sobald man über die englische Kultur spricht. Doch was ist das eigentlich? Und muss ich mich auch so benehmen, wenn ich in England Urlaub mache? Falls ja: Wie verhalte ich mich eigentlich den Landesregeln entsprechend?


Ja, es gibt allerlei Fettnäpfchen, die auf dich in Großbritannien warten. Manche wirst du locker meistern, bei anderen bedarf es etwas mehr Taktgefühl. Bevor wir dir die 15 wichtigsten Verhaltensregeln erklären, solltest du zwei grundlegende Prinzipien verinnerlichen:

  • Fair Play
  • Understatement

Sie sind die Essenz der sogenannten „feinen englischen Art“ und machen Gentlemen und Ladies zu dem, was sie sind. Fair Play meint die Distanz zu fremden persönlichen Angelegenheiten, keine Kommentare unterhalb der Gürtellinie und der Respekt vor der anderen Meinung. Understatement beschreibt die Bereitschaft, in Diskussionen nachzugeben, zurückhaltend zu sein und nicht zu prahlen.

Hast du das verstanden, kann eigentlich nicht mehr viel auf der Insel schiefgehen. Oder? Wir schauen nochmal genauer hin – selbstverständlich wie immer mit einem gewissen Augenzwinkern!

 

1. How are you? – Besser nicht ehrlich sein!

Es ist eigentlich die wichtigste Regel in England. Logisch, dass du während deines Urlaubs von Menschen gegrüßt wirst – sei es im Supermarkt, im Hotel oder an der Tankstelle: Meistens mit einem förmlichen „Hello, how are you?“. Am besten erwiderst du das mit dem Satz „I’m fine, thanks!“ Wie es dir tatsächlich geht, interessiert in dem Fall niemanden, handelt es sich doch nur um eine Begrüßungsfloskel. Tipp: Halte dich einfach zurück, deine aktuellen Gemütszustände unter die Leute zu bringen.

 

2. Goodbye! – Auf jeden Fall Abstand halten!

Time to say Goodbye? Die Engländerinnen und Engländer mögen es knapp: Have a nice day! und bitte nichts weiter, so lautet die Parole. Kein Körperkontakt, kein Handschlag und erst recht keine Küsschen. Tipp: Verwechsel diese recht kurzen Rituale bitte nicht mit mürrischer Kühle. Vielmehr handelt es sich hierbei um respektvolle Distanz.

 

3. Thank you! Sorry! Please – Höflichkeit liegt den Briten im Blut

Höflichkeit ist das Fundament britischen Verhaltens. Der derbe „schwarze Humor“, für den die Briten so berühmt sind, braucht diese Grundlage. Nur so wird verhindert, dass man sich die Köpfe einschlägt. Thank you, cheers, please, excuse me oder sorry sind Floskeln, die dir in Fleisch und Blut übergehen sollten. Dir tritt jemand voller Absicht auf die Füße tritt? Dann darfst du dich gerne entschuldigen.

 

4. Love, Dear, Darling – Kosenamen in Großbritannien

Du kommst mit den Gastgebern des B&Bs so richtig ins Plaudern oder der Wirt im nächsten Pub fragt dich, was du machst, woher du kommst und welche Hunde du am liebsten magst? Dann kann es schnell passieren, dass er dir ein liebevolles Darling, Luuve oder Dear zuwirft. Du brauchst aber nicht sofort rot anzulaufen, nur weil dich jemand Schätzchen nennt! Denn die Kosenamen sind alles andere als erotische Anspielungen, sondern drücken einfach nur Sympathie aus.

 

5. Very interesting? Besser schnell das Thema wechseln

Achtung: Themenwechsel! Sobald dein Gesprächspartner ein „This is very interesting“ verwendet, macht er deutlich, dass ihn das Thema nicht die Bohne interessiert oder er komplett anderer Meinung ist. Allerdings sind Briten viel zu höflich, um dir ihr Desinteresse oder ihre Meinung unter die Nase zu reiben. Stattdessen teilen sie dir durch die Blume mit, dass ihr das Thema wechseln solltet.

 

6. I have a problem! – Bring es den Briten möglichst schonend bei

Falls du selbst in England mal mit etwas unzufrieden bist, dann äußere deine Kritik möglichst sanft und mit Engelszunge. Ein „I’m sorry, but we may have a problem here…“ wäre ein guter Einstieg, um dein Problem zügig und gut gelaunt zu lösen.

 

7. Thank you! – Die Sache mit dem „Danke“

Wer die deutsche und britische Kultur miteinander vergleicht, wird sofort bemerken: In England wird sich bedankt, wo es nur geht und Danke zu sagen, ist hier die oberste Pflicht. Hört sich einfach an? Im Umgang mit dem typischen Briten fällt uns sofort auf, wie wenig wir uns eigentlich bedanken. Übrigens: „Nichts zu danken“ wird am besten mit „You’re welcome!“ übersetzt.

 

8. To keep a stiff upper lip – Alles eine Frage der Oberlippe

Der Regen peitscht dir ins Gesicht und du ärgerst dich, dass du auch noch den Bus verpasst hast? Wildes Krakeelen und laut geäußerter Unmut haben auf britischen Straßen nichts verloren. Bewahre Haltung! Deshalb ist das berühmte „to keep a stiff upper lip“, also keine Miene zu verziehen, vor allem im Norden von England ein absolutes Muss.  Nimm das Leben einfach mit Humor!

 

9. Professionelles Schlangestehen muss gelernt sein

  • Egal, ob am Bankautomat, an der Bushaltestelle oder im Supermarkt: Auf Vordrängeln folgt umgehende Verachtung, ein scharfes Tstststs und ein missbilligendes „Typical“!
  • Das Queuing-Einmaleins: Halt so viel Abstand zu deinem Vordermann, wie du zu jemanden halten würdest, mit dem du nicht tanzen willst aber tanzen musst.
  • Im Supermarkt macht eine neue Kasse auf? Statt eines Panik-Runs auf die vordersten Plätze, nimmt jeder die Position ein, die er bereits vorher hatte.
  • Eine einzelne Person wartet an der Bushaltestelle? Er oder sie ist der Kopf der sogenannten Warte-Truppe. Angestellt wird sich dahinter. Tipp: Obwohl Vordrängeln als absolute Todsünde gilt, wird es mit der nötigen Portion Verachtung geduldet. Eine öffentliche Szene oder handfesten Streit würden die Briten nie vom Zaun brechen.

 

Underground London
Foto: Pixabay

 

10. Das Wetter: Smalltalk-Thema No 1

Die Briten reden gerne übers Wetter? Ja und nein. Die meisten Briten nutzen das Thema nur, um leicht und flockig ins Gespräch zu kommen. Briten lieben flüssige und oberflächliche Gespräche. So verhält man sich ungezwungen und baut schnell Sympathien füreinander auf. Und da sich das Wetter in Großbritannien wirklich ständig ändert, ist das eine gelungene Basis für jedes Gespräch. Funktioniert immer!

 

11. Was die Queen, Fußball und der Brexit gemeinsam haben

Das Gute am Wetter: Man kann sowieso nichts dagegen tun und die „stiff upper lip“ bewahrt vor emotionalen Entgleisungen. Anders sieht es bei Themen rund ums Königshaus (besonders die Queen selbst), Fußball, Brexit und Religion aus. Ja, ein leicht ironischer Seitenhieb auf Prince Charles wird mit einem milden Lächeln quittiert, darüber hinaus solltest du dich aber nicht in die Nesseln setzen. Diese Themen sind als Gesprächsthema strengstens tabu!

 

12. Im Restaurant: Mach es wie die Niederländer oder schmeiße eine Runde

Wie du dich sicher und ohne Fettnäpfchen in einem Pub verhalten musst, erklären wir dir hier ganz ausführlich. Beim Bezahlen im Pub gibt es zwei Varianten für dich: Bist du mit einer Gruppe oder Freunden unterwegs, bezahlt immer eine Person abwechselnd eine ganze Runde. Im Restaurant gilt im Prinzip die gleiche Regel – mit dem Unterschied, dass es echt ins Geld gehen könnte. Also heißt es „Go Dutch“ und  mach es wie die Niederländer. Die Rechnung wird zu gleichen Beträgen aufgeteilt – und zwar egal, ob einer eine Suppe hatte und der andere den Hummer gewählt hat.

 

13. For God’s sake: Lass die Lilien daheim!

Gratulation, du wurdest privat eingeladen? Ein kleines Gastgeschenk ist in Großbritannien ein Muss. Wenn du glaubst, so eine hübsche Lilie ist jetzt genau das Richtige: Bleib besser zu Hause! Lilien sind als Willkommensgruß tabu – erst recht die gelben Sorten. Denn die stehen für Eitelkeit. Und weiße Lilien sind Trauer- und Friedhofsblumen – auch nicht die ideale Lösung für einen ungezwungene Abend.

 

14. Bring your own bottle

Bring zur Einladung lieber eine gute Flasche Wein, eine kleine Delikatesse oder eine andere nette Aufmerksamkeit mit. Falls du eine schriftliche Einladung bekommen hast, könnte sogar ein kryptisches „b.y.o.b.“ dabei sein. Das steht für „bring your own bottle – bring deine eigene Flasche“ mit. Es heißt natürlich nicht, dass jeder nur seine Flasche Bordeaux runterkippen soll, sondern dass sich der Gastgeber mit einer schnöden Flasche Wein mehr als zufrieden geben wird.

 

15. Zu spät, zu spät, ich komme viel zu spät

Da sind Deutsche und Engländer*innen auf einer Wellenlänge: Pünktlichkeit ist spitze! Vor allem bei geschäftlichen Terminen. Bist du aber als Gast eingeladen, darf es gern auch eine Viertelstunde später werden. Mehr ist allerdings kritisch. Kurzfristige Absagen und halbgares Termin-Verschieben wird allerdings nicht akzeptiert.

 

Mit dem eigenen Auto in Großbritannien
Am Strand von Watergate Bay. Wetter? Egal! Foto: Tea & Scones

 

Ich muss zugeben: Auch nach 25 Jahren ertappe ich mich immer wieder dabei, doch ins Fettnäppfchen zu treten. Schlimm ist das alles gar nicht. Schon der Versuch, sich ein wenig den britischen Gepflogenheiten anzupassen, zählt. Die britischen Landleute werden es euch danken!

 


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